Leitgedanken

In der psychotherapeutischen Arbeit mit einem Klienten geht es darum, das jeweils für die Behebung der Störung Bedeutsame zu erkennen, es herauszuarbeiten und unmittelbar greifbar zur Wahrnehmung zu bringen. Dazu muss man in der Regel anders sehen lernen.

Dabei ist der Psychotherapeut nicht frei, seine eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen einfach für bedeutsam zu erklären. Er muss erkennen, was für den Leidensweg des einzelnen Patienten bedeutsam ist. Und er muss dies im therapeutischen Prozess sichtbar und erlebbar machen.

Allerdings wird kaum ein Klient alleine dadurch gesünder, dass der Therapeut etwas erkannt hat. Er selbst muss erleben und spüren, dass das Erkannte tatsächlich für ihn bedeutsam ist. Erst die gemeinsame Einsicht und das Wiedererleben bedeutsamer Dinge unter verändertem Blickwinkel verhilft einen psychotherapeutischen Behandlungsprozess zu einem heilsamen Verlauf.

Das Herstellen eines gemeinsamen Blickwinkels, das gemeinsame Fokussieren auf die bedeutsamen Dinge und deren gemeinsame Herausarbeitung und Wiederbelebung, auch unter Umgehung oder Entschärfung von Widerständen, ist deshalb nach der Diagnostik die eigentliche psychotherapeutische Arbeit und Kunst.

„Anders sehen lernen“ ist eine innere Ausrichtung und Zielsetzung, die meine verschiedenen Tätigkeiten als Arzt, Psychotherapeut, Fotograf und Musiker über nunmehr zwei Jahrzehnte geprägt haben. Bei der psychotherapeutischen Arbeit sind Klient/Patient und Therapeut gleichermassen gefordert, ihre jeweiligen Sehgewohnheiten stets neu infrage stellen zu lassen, um im gemeinsamen therapeutischen Prozess zu sinnvollen und wirksamen neuen Einsichten für den Klienten/Patienten gelangen zu können.